Ein gutes Händchen – die Fotosammlung

Das erste Auto. Schwimmen und Segeln am Wörthersee. Schifahren am Semmering. Die Familie Mumb lebte das abwechslungsreiche Leben einer Wiener großbürgerlichen Familie am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Am Programm standen Sommerfrischen am Wörthersee, Wanderungen in den Bergen Tirols, Eislaufen am Wiener Eislaufverein und Donaudampfschifffahrten in die Wachau und nach Passau. Heute noch steht die großzügige Familienvilla in Hietzing. Der Vater Josef Mumb, ein ambitionierter Amateurfotograf hielt dies alles mit seiner Kamera fest. Über einen Zeitraum von ungefähr fünf Jahren dokumentiert er liebevoll die Reisen, Urlaube und Ausflüge seiner Familie. Wir wissen nicht viel über ihn, außer, dass er den fotografischen Blick und eine exzellente technische Ausrüstung hat. Und unermüdlich das Familienleben mit seiner unhandlichen Fotoausrüstung begleitet. Er dokumentiert die technischen Errungenschaften, die Einzug in das Familienleben halten: Modellflugzeug, Auto, Motorrad und Motorboot, und natürlich die zahlreichen Ausflüge der Familie in ganz Österreich. Er fotografiert seine Söhne, die Nachbarskinder, Alltagsszenen auf der Straße, 838 rudi heimaturlaubLandwirte, Bootsbauern, Sehenswürdigkeiten und besondere Augenblicke. Er macht Schnappschüsse vom Wanderer mit der Zipfelmütze, den Familienhunden und der Schwester beim Schwimmen. Immer wieder fotografiert er seinen ältesten Sohn Rudi, der auch der letzte Porträtierte in der Sammlung ist. Jäh endet das gute Leben und somit auch die Fotoreihe: die Brüder ziehen 1917 ins Feld. Das letzte Bild der 380 Aufnahmen zeigt den nachdenklichen Soldaten Rudi auf Heimaturlab. Den unbeschwerten jungen Mann von früher gibt es nicht mehr.

Ein Stück Fotogeschichte Die Sammlung ist nicht nur ein zeithistorisches Dokument, sondern repräsentiert auch ein Stück Fototechnikgeschichte. Die Sammlung besteht aus Glasdiapositiven. Bei dieser Technik werden die Motive in einem chemischen Prozess zweimal ident auf die Glasplatte aufgedampft. Zum Betrachten werden die 055Glasplatten in einen Stereobetrachter geschoben, der eine räumliche Wahrnehmung des Motivs ermöglicht. Die nummerierten Glasplatten der Sammlung von Ein gutes Händchen sind in acht Schatullen aus Holz oder Karton aufbewahrt. Jede Schatulle enthält ein Verzeichnis der Darstellungen. Akribisch hat der Fotograf jedes einzelne Glasdiapositiv beschriftet und zusätzlich ein Stichwortverzeichnis mit Querverweisen geführt, so dass wir heute die dargestellten 060Plätze, Situationen und Personen benennen können. Das macht die Sammlung zu einem einzigartigem Dokument bürgerlichen Lebens in den ersten 17 Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Aufnahmen sind undatiert, bis auf die Glasdiapositive der letzten der acht Boxen. Diese sind mit dem Jahr 1917 datiert und zeigen die jungen Männer der Familie beim Einmarsch ins Feld. Im Jahr 2014 wurden die Glasplatten digitalisiert und die Fotodaten somit für die Erhaltung und Veröffentlichung gesichert.

Vom historischen Foto zum Fine Art Print Für die Fine Art Prints von Ein gutes Händchen werden die 380 Motive nach und nach bearbeitet. Da die Qualität der Aufnahmen durchwegs gut ist, eignen sich fast alle Bilder zur Veröffentlichung. Zuerst werden die digitalisierten Aufnahmen händisch am Computer retuschiert und störende Staubkörnchen und Kratzer entfernt. In einem nächsten Schritt werden fast alle Partien des Bildes koloriert. Teilweise werden einzelne Bereiche sogar in mehreren Schichten koloriert. Diese aufwändige Arbeit geschieht am Computer und verlangt viel Fingerspitzengefühl und ein sprichwörtliches gutes Händchen für Farbe. Anschließend werden die Motive für den Druck vorbereitet, mit dem Originaltitel versehen und in einem Speziallabor auf hochwertigem Fine Arts Papier gedruckt.

 

237 Schönbrunn

unkoloriertes Original

Originalfoto koloriert

Originalfoto koloriert